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Ortsfeuerwehr Rössing

Seit dem Jahre 1925 gibt es in unserem Ort eine Freiwillige Feuerwehr. Es ist für uns heute selbstverständlich, dass bei einem Brand die Feuerwehr zur Stelle ist - sie wird alarmiert, rückt aus und übernimmt die Brandbekämpfung. Das alles läuft „wie von selbst" jeder Einwohner kann sich darauf verlassen; niemand muss Sorge haben, das er im Notfall allein dasteht oder dass er warten muss, bis sich geeignete Helfer finden. Dieses gilt nicht nur für den Fall eines Brandes, sondern auch bei anderen Unglücksfällen. Es ist neben der Polizei die Feuerwehr, die wir auch bei Verkehrsunfällen, bei Gefahr durch Wasser und Sturm und bei Bedrohungen unserer Umwelt als erste und oft auch als letzte an einem Einsatzort tätig sehen. Dieses war nicht immer so:

Es gab zwar auch vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehren bereits Vorschriften und Vorkehrungen zur Bekämpfung vornehmlich von Bränden. Diese waren aber vor allem der Allgemeinheit übertragen und nicht einer eigens dafür geschaffenen und ausgebildeten Gruppe von "Spezialisten".

So hatten die meisten Städte, Flecke und Dörfer etwa vom 17. Jahrhundert an durchaus Feuerordnungen und auch Beauftragte ("Feuerherren", "Feuergeschworene" oder "Feuerdeputierte'') der jeweiligen Verwaltung, die für den Brandschutz, die Instandhaltung der Löschgeräte und die Aufstellung von Löschmannschaften verantwortlich waren. Zur Hilfeleistung im Brandfall waren in der Regel alle männlichen Einwohner im Alter von 16-60 Jahren verpflichtet. Es war Vorschrift, dass in jedem Haus ein Löscheimer vorhanden sein musste, der im Falle eines Brandes zur Brandstelle mitzubringen war. Mit einer Eimerkette, in der häufig auch Frauen und Kinder mithalfen, wurde das Löschwasser zum Brandherd transportiert. Sonstige Hilfsmittel (Feuerleitern, Einreißhaken, Alarmierungshörner, evtl. weitere Eimer oder später eine Handdruckspritze) wurden - wenn es die finanzielle Situation ermöglichte - von der Verwaltung bereitgehalten.

Man kann sich vorstellen, dass sich bei einer derart einfachen Ausstattung und aufgrund des geringen Ausbildungsstandes der Löschmannschaften viele Brände zu verheerenden Feuersbrünsten entwickelten.

Ein Beispiel dafür ist in Rössing der große Brand vom 8. Juli 1808. Hiervon berichtet Konrad Tegtmeier auf der Grundlage von Darstellungen und der Brandkarte des Pastors Göcking: "In dem schon durch Kriegslasten und drei nacheinander erfolgten Missernten verarmten Dorf brach am 8. Juli ein angelegtes Feuer aus, welches wegen Mangel alter Hilfsgerätschaften so schnell um sich griff, dass alles, was vor dem Winde lag, in wenigen Minuten in Flammen stand. Das Feuer nahm seinen Weg mitten durchs Dorf, von Südwest nach Südost und legte 31 Wohnhäuser, 15 Leibzucht- und Nebenhäuser und 13 Scheunen ... in Asche, wodurch 58 Familien und somit 227 Personen verarmten.
(aus: Hermann Kasten : Aus der Geschichte von Rössing. Eine Zusammenstellung der Tatsachen. Ereignisse und Entwicklungen. Rössing 1963. S. 88)

Natürlich erkannte man bald, dass sich "Feuerordnungen" zwar im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes positiv auswirkten, dass aber ein wild zusammengewürfelter Haufen, welcher bei einem Brand nur schreiend und tobend mangelhafte Hilfe leistete, nicht mehr ausreichte, um dem wütenden Element des Feuers entscheidend Einhalt zu bieten. Aus dieser Erkenntnis heraus formierten sich etwa seit der Gründerzeit freiwillige "Löschvereine", die oft aus Turnerschaften hervorgingen. Diese Löschmannschaften waren oft nach militärischen Grundsätzen organisiert; es fanden sich Bezeichnungen wie „Pompier Corps", „Steigerkompanie", „Hauptmann'' und "Chargierte".

Im Jahr 1854 nahmen erstmals 20 freiwillige Feuerwehren aus den süddeutschen Ländern am 1. Deutschen Feuerwehrtag in Ulm teil. Auch in Norddeutschland blieb man mit Gründungen nicht zurück; so formierten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts Freiwillige Feuerwehren in fast jedem größeren Ort.

In Rössing war es soweit "erst" im Jahr 1925. Da aber die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr nicht aus dem Nichts heraus und „ Über Nacht " möglich gewesen sein dürfte, kann man annehmen, dass die Männer, die am 09. Mai 1925 zu einer Gründungsversammlung zusammenkamen, schon vorher in der Brandbekämpfung tatkräftig engagiert waren und die für die Idee einer Freiwilligen Feuerwehr notwendige Vorarbeit geleistet hatten. Mit Sicherheit gilt diese Annahme für einen engeren Kreis um Karl Stamme, der in der Gründungsversammlung zum ersten Hauptmann gewählt wurde. In dieser Versammlung wurde in Gegenwart des Kreisbrandmeisters Prelle die Liste der 48 zur Gründung „gewillten Männer" verlesen, die anschließend die Wahl des Kommandos ausübten. Ein Protokollbuch mit der Gründungsniederschrift und Protokollen bis zum 04. Februar 1950 gibt hierüber Aufschluss. Im Jahr 1927 verzeichnete das ebenfalls erhalten gebliebene Mitgliedsbuch bereits 80 Mitglieder, eine Zahl, die sich in den folgenden Jahren bis zum Beginn des Zweiten Wertkrieges nicht nennenswert veränderte. In dieser Zeit profilierte sich die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr als eine Einrichtung, die die übernommene Aufgabe zum Wohl der Allgemeinheit überzeugend ausführen konnte.

Sie trat im Ort und darüber hinaus auch dadurch in Erscheinung, dass im Jahr 1928 auf Anregung von Ernst Beneke eine Feuerwehrkapelle gegründet wurde. Es verdient hohe Anerkennung, dass - wie wir heute sagen - der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr noch immer existiert und dass es den Verantwortlichen der Wehr sowie den Dirigenten (seit 2001: Lukas Gawlok ) und Musikzugführern gelungen ist, ihn durch die Ausbildung von Nachwuchsmusikern lebendig zu halten. Nicht nur die regelmäßigen Konzerte zu Jahresbeginn, sondern auch die Ausmärsche zu vielen anderen Anlässen sind aus dem Leben unseres Ortes nicht wegzudenken. Über die Tradition dieses Musikzuges gibt eine eigene Chronik bereits Aufschluss.

Die Zeit der NS-Herrschaft brachte tiefgreifende Veränderungen in allen Bereichen des Staat und Gemeinschaftslebens. Hiervon blieb auch die Freiwillige Feuerwehr Rössing nicht verschont - leider liegen aber meines Wissens der Öffentlichkeit keine Berichte vor, die sich im Rahmen einer kritischen Vergangenheitsbewältigung über das politische Selbstverständnis der Feuerwehr in Rössing und über ihre innere Einstellung zu dieser Zeit äußern. Wie in anderen Bereichen des Lebens funktionierte in der Nachkriegszeit wohl auch hier der psychische Verdrängungsmechanismus. Protokolle aus dieser Zeit geben Aufschluss, dass die Feuerwehr wie zuvor ihrer ursprünglichen Aufgabe nachkam, bei Feuer und Hochwasser, später auch bei Bombenalarm nach der Devise „Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr" zu handeln und dass sie „Kameraden an der Front mit Päckchen und Rauchwaren" versorgte (1941). Es steht aber auch zu lesen, dass sie sich seit 1938 als Freiwillige „Feuerlöschpolizei" bezeichnen musste.

In der Nachkriegszeit ging es sehr schnell zur Tagesordnung über. In einer Kameradschaftsversammlung am 4. November 1945 werden die Namen der „von der Front zurückgekehrten Soldaten" sowie derjenigen verlesen, die bis dahin nicht zurückgekehrt waren. Der weitere Verlauf der Sitzung beschäftigt sich mit der Ersatzbeschaffung für den durch die Ami´s mitgenommen "Spritzenwagen" sowie über die Verwendung blauen Stoffes für Mützen. Aus dem Protokoll geht weiter hervor, dass der Zustand der Rössinger Motorspritze bei einer Revision gelobt, der Standort der Handdruckspritze in der Pastorenscheune jedoch moniert worden sei.

In den 50er und frühen 60er Jahren galt es zunächst, sich wieder eine tragfähige materielle Lebensgrundlage zu schaffen. Auch die Feuerwehr bemühte sich um einen Neubeginn. Die Beschaffung der erforderlichen Geräte und die Ausbildung des Nachwuchses hatten in dieser Zeit Priorität. So entstand im Laufe der Jahre eine gut ausgebildete Feuerwehr, die auch mit der technischen Ausstattung am allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung teilnahm. Dem im Jahre 1951 übernommenen »Opel Blitz" folgte im Jahre 1971 ein „Mercedes Ziegler LF 8", der seinen Dienst verrichtete, bis er im Jahre 1994 von einem „Mercedes Ziegler LF 8/6" mit 600-Liter-Wassertank abgelöst wurde.

Im Jahr 1962 wurde in Rössing auf initiative des damaligen Ortsbrandmeisters Alfred Glowienka eine Jugendfeuerwehr als eine der ersten im Landkreis Springe gegründet. Diese Jugendabteilung mit ihren vielfältigen, weit über den reinen Feuerwehrdienst hinausreichenden Aktivitäten unter der langjährigen Leitung von Uwe Böllersen ist auch heute in unserem Ort ein attraktiver Treffpunkt für Mädchen und Jungen. Ein nicht geringer Teil der aktiven Mitglieder ist aus der Jugendabteilung hervorgegangen. Seit März 2002, wird sie durch Jens Büsel geführt.

 

Mit der durch das eigene Löschfahrzeug entstandenen Mobilität wurde es schließlich möglich, dass die Rössinger Feuerwehrleute an vielen Wettkämpfen in der näheren und weiteren Umgebung teilnehmen konnten. Den bisherigen Höhepunkt der Wettkampfgeschichte bildet im Jahr 1972 das Erringen des Bezirksmeistertitels mit der Teilnahmeberechtigung für drei internationale Wettkämpfe in Asendorf, Holzminden und Stadthagen.

Die Neustrukturierung des Feuerwehrwesens in Niedersachsen brachte es mit sich, dass Einsatzorte nicht auf den Bereich der näheren Umgebung beschränkt blieben. So beteiligte sich die Freiwillige Feuerwehr Rössing auch an der Bekämpfung des großen Heidebrandes im Jahr 1976. Der Einsatz der beteiligten Feuerwehrleute wurde mit einer Auszeichnung gewürdigt. Durch das Zusammenwirken der Feuerwehren auf Gemeindeebene und durch die Ausbildung und regelmäßige Mitwirkung der aktiven Feuerwehrleute an den Lehrgängen und Übungen der Kreisbereitschaft ist eine Einsatzbereitschaft gegeben, die den heutigen Erfordernissen des Katastrophenschutzes gerecht wird. Ehrenbrandmeister Günter Kasten hat während seiner Amtszeit in Rössing und durch seine langjährige überregionale Tätigkeit (u.a. als Leiter der Kreisbereitschaft) maßgeblich hierzu beigetragen. Seit dem Jahr 1998 ist die Rössinger Feuerwehr mit den Wehren aus Nordstemmen und Adensen-Hallerburg auch im Bereich des Gefahrgut Einsatzes tätig.

Die Ausstattung mit modernem Gerät und insbesondere mit einem den Anforderungen entsprechenden Löschgruppenfahrzeug führte dazu, dass das alte Feuerwehrgerätehaus „An der Feuerwache" auf Dauer als Standort nicht mehr ausreichen würde. Nach umfangreichen Planungen und jahrelangen Verhandlungen mit der Gemeinde, konnte in der Amtszeit des Ortsbrandmeisters Alfred Meyer schließlich der Neubau des Feuerwehrgerätehauses auf dem Grund des ehemaligen Badehauses in Angriff genommen werden. Die Mitglieder der Feuerwehr leisteten dabei Eigenarbeit im Wert von mehr als 50.000,- DM. Das neue Domizil, das in seiner Erscheinung und in seiner Funktionalität mit Recht als optimal und zukunftsgerecht bezeichnet werden kann, wurde der Feuerwehr am 20. November 1992 feierlich übergeben.

Aus der tatkräftigen Beteiligung am Bau des Feuerwehrhauses heraus formierte sich unter der Leitung von Hermann Kinitz eine Gruppe von Feuerwehrleuten als „Altersgruppe". Diese Gruppe setzte sich nach Abschluss der Bauarbeiten das Ziel, die aus dem Gründungsjahr erhaltene fahrbare Ausziehleiter zu restaurieren. Inzwischen ist dieses Ziel erreicht und die Leiter wieder im Originalzustand.

Mittlerweile ist die Gruppe ein fester und wichtiger Bestandteil unserer Feuerwehr. Sie unterstützt unter anderem alle anderen Gruppen bei Veranstaltungen.

Abschließend folgt eine Aufzählung jener Männer, die die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Rössing durch die Ausübung ihres Amtes als Brandmeister maßgeblich mitgestaltet haben:


Karl Stamme
Gustav Ehlers
Fritz Glockemann
Henry Othmer
Alfred Glowienka
Günter Kasten
Siegfried Dismer
Alfred Meyer 
Kurt Kunze 
Frank Schiller

Als amtierender Ortsbrandmeister, wünsche ich, Wolfgang Scholz, mir die Freiwillige Feuerwehr Rössing mit dem Kommando in eine Gute Zukunft zu führen!

Wolfgang Scholz

(Ortsbrandmeister)

 

 
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